Eine knappe Mehrheit hat sich in Groß-Britannien also für den Austritt aus der Europäischen Union ausgesprochen. Damit verabschiedet sich die Insel also aus Europa. Das hat Folgen – in erster Linie negative und zwar für die Bevölkerung in Groß-Britannien. Auch die verbleibenden europäischen Länder werden das spüren, aber lange nicht so massiv, weil man ja hierzulande noch alle europäischen Partner hat und die Last gemeinsam immer leichter zu tragen ist.

Emotional geführte Debatte

Die Austrittsdebatte war in Groß-Britannien sehr emotional geführt und basierte wenig auf Fakten. Das haben die Populisten im Nigel Farage aus ihrer Sicht gut gemacht. Sie gaben den – im europäischen Vergleich – wenig Migranten die Schuld an Arbeitslosigkeit und Perspektivenlosigkeit. Dass Migration für England viele Vorteile hatte und die meisten Migranten Nettozahler im Sozialsystem waren, wurde verschwiegen. Den großen Vorteilen der Europäischen Union: Reisefreiheit, gemeinsame Währung und Co hatten sich die Engländer ja schon bisher entschlagen.

Die Europa-Befürworter konnten also den typischen Exit-Wähler, der vielleicht seinen Job verloren, noch nie die Insel verlassen und zu wenig Einkommen hat, nicht überzeugen. Ein leichtes war es den Populisten, diesen Menschen Europa als Feinbild zu malen.

Folgen für die Insel

Dabei ist die Entscheidung für den Brexit gerade für jene, die mit Austritt votierten vermutlich am schädlichsten. Die Aktienkurse sind heute schon eingebrochen und das Pfund ist auf den tiefsten Stand ihrer Geschichte gefallen. Die Wirtschaftsentwicklung wird gehemmt und die ersten Reichen werden beginnen, ihr Geld ins Ausland zu bringen. Das alles führt zu einem Einbruch im Wirtschaftswachstum und zu Arbeitsplatzverlusten.

Und dann wird es haarig, denn viele Arbeitsmarktprogramme, die mit EU-Geldern gefördert wurden, wird es wohl bald nicht mehr geben.

Auch wenn es die Populisten nicht zugeben wollen: Groß-Britannien hat natürlich stark von Europa profitiert. Den Sonderstatus wie die Schweiz wird es aber nicht spielen, weil das natürlich aus prinzipiellen Überlegungen nicht möglich sein wird. Sie haben England daher in die absolute Isolation geführt, mit der das Land noch viele Jahre zu kämpfen haben wird. Und das mit allen Konsequenzen – es würde mich nicht verwundern, wenn Groß-Britannien bald landesintern eine Schengrenze hätte und Schottland der EU beitritt.

Europa – ein gemeinsamer Traum

Ich bin Österreicher. Ich fühle mich als Europäer! Europa – das ist mehr als eine Idee. Europa hat uns die bisher längste Friedensperiode der Geschichte und Wohlstand gebracht. Diese gemeinsame Union dürfen wir nicht riskieren, denn auch wenn Europa nicht perfekt ist, gibt es nichts besseres. Wer also Europa kritisiert, der soll bitte daran mitarbeiten, diese Friedensunion besser zu machen. Abkapseln und sich zu verstecken ist keine Lösung!